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Was ist ein Agnostiker?

Ein Agnostiker (altgriechisch: nicht wissen) geht davon aus, dass sich die Existenz oder auch die Nichtexistenz eines Gottes bzw. mehrerer Götter sowie übersinnlicher Wesen wie Engel oder Geister nicht beweisen lässt. Auf die Frage „Gibt es einen Gott?“ antwortet er: „Ich weiß es nicht“. Dies unterscheidet ihn von einem Atheisten, der von einer gottlosen Welt klar überzeugt ist, sowie von einem Gläubigen, der sich alles durch und mit Gott erklärt. Der Agnostiker empfindet beide Haltungen als anmaßend, denn er betrachtet das menschliche Wissen als in diesem Punkt begrenzt. Seiner Auffassung nach gibt es Argumente für und auch Argumente gegen religiöse Weltanschauungen. Er kann und will sich nicht für eine Seite entscheiden.
Es gibt Agnostiker, die dennoch religiös sind, d.h. sie glauben an einen Gott und akzeptieren gleichzeitig, dass es ihn eventuell gar nicht gibt, weiter praktizieren sie religiöse Bräuche mit dem Wissen, dass diese möglicherweise wirkungslos sind. Meistens jedoch behaupten Agnostiker, dass Gottesbeweise, Wundererlebnisse sowie Vorstellungen von der Erschaffung der Welt, Himmel und Hölle, Wiedergeburt oder ein Weiterleben nach dem Tod einer Überprüfung mit Hilfe der modernen Naturwissenschaft nicht standhalten. Daraus folgt für sie, dass sie ihren Alltag ohne religiöse Praxis gestalten.
Der Zweifel an der Existenz Gottes ist sehr alt. In den vergangenen Jahrhunderten war jedoch eine Kritik an der Religion gesellschaftlich sehr problematisch, teils sogar lebensgefährlich. Im 18. und 19. Jahrhundert – die Zeit der Aufklärung und der allmählichen Trennung von Staat, Gesellschaft und Religion – wurden zunehmend die Ideen der Agnostiker diskutiert. Berühmte Philosophen dieser Zeit sind beispielsweise David Hume (1711-1776), Immanuel Kant (1724-1804) und Søren Kierkegaard (1813-1855).

(Stand: 25. Oktober 2013)


 
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