Drucken

Kommen Ungläubige in die Hölle?

Viele Koranverse und Stellen in der Sunna (Taten und Aussprüche des Propheten Muhammad) beschreiben die Hölle (arabisch: dschahannam), in die diejenigen Menschen nach dem Tod kommen, die ungläubig waren und schlechte Taten begangen haben.
Nach einer verbreiteten islamischen Jenseitsvorstellung führt eine schmale Brücke über das Höllenfeuer. Die gläubigen Muslime, die Gutes im Leben taten, laufen über sie hinweg und treten direkt in das Paradies ein. Diejenigen Muslime jedoch, die gesündigt haben, sowie alle Nichtmuslime fallen in die Hölle hinab. Ähnlich der christlichen Idee vom Fegefeuer bleiben die Muslime nur eine gewisse Zeit und ohne große Schmerzen in der Hölle; sie werden solange von ihren Sünden geläutert, bis Gott sich ihnen barmherzig zeigt und sie in das Paradies aufnimmt. Die Ungläubigen müssen jedoch ewig in der Hölle bleiben.
Die Hölle hat sieben Abteilungen; ihre unterschiedlichen Namen und Eigenschaften werden alle im Koran beschrieben. Einige Islamgelehrte ordnen die Höllenabteilungen jeweils den Muslimen, Christen und Juden sowie verschiedenen Kategorien von Ungläubigen zu.
Koran und Sunna malen von der Hölle ein schreckliches Bild: Hier befindet man sich inmitten von glühendem Feuer, heißes Wasser wird über den Köpfen der Menschen ausgeschüttet, es gibt Essen aus Dornen, das den Hunger nicht stillt, auch wird man mit Ketten und Eisenstangen gefoltert (Sure 56, Vers 41-56; Sure 44, Vers 43-49; Sure 40, Vers 71-72 und andere).
Die meisten koranischen Höllenbeschreibungen stammen aus der Anfangszeit von Muhammads Wirken in Mekka und richten sich gegen seine Gegner. Diese leugneten die Existenz eines einzigen Gottes, seine Offenbarung an die Menschen sowie die Prophetenschaft Muhammads und beteten stattdessen weiter ihre alten Gottheiten an. Sie bekämpften Muhammad und seine Anhänger. Gott versprach den frühen Muslimen, diese Ungläubigen (arabisch: kafir, Pl. kufar) später im Jenseits zu bestrafen.
Nicht alle Islamgelehrten gehen davon aus, dass Juden, Christen und Andersgläubige automatisch in die Hölle und Muslime in das Paradies kommen. Einige meinen, es komme in allererster Linie auf das gute Herz und die Taten eines Menschen an. Ein berühmter koranischer Ausspruch hinsichtlich des Jüngsten Tags, der in diesem Zusammenhang oft zitiert wird, lautet: „An jenem Tag kommen die Menschen einzeln heraus, damit ihnen ihre Taten gezeigt werden. Wer dann Gutes getan hat im Gewicht eines Stäubchens, sieht es, und wer Schlechtes getan hat im Gewicht eines Stäubchens, sieht es.“ (Sure 99, Vers 6-8)

(Stand: 10. September 2014)


 
Schließen