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Wie sieht das Paradies im Islam aus?

Nach islamischem Verständnis ist das Leben auf der Erde eine Prüfung. Beim „Jüngsten Gericht“ wertet Gott jeden Menschen hinsichtlich seines Glaubens und seiner Taten: Die Sünder werden in der Hölle (arabisch: dschahannam) bestraft, die Frommen im Paradies (arabisch: dschanna) belohnt.
Die Hölle und das Paradies sind zwei sehr gegensätzliche Orte: Die Hölle ist ein Ort des Feuers, der Schmerzen, des Durstes und des Hungers (Sure 56, Vers 41-56), im Paradies hingegen gibt es frisches Wasser, kühlenden Schatten und Früchte (Sure 13, Vers 35). Nach Auffassung einiger Islamgelehrter besteht das Paradies wie auch die Hölle aus mehreren Abteilungen, die im Koran „die sieben Himmel“ (Sure 23, Vers 86) genannt werden. Ob die in unserer Zeit verstorbenen Menschen in genau jenem Paradies sein werden, in dem einst Adam und Eva lebten, ist unter muslimischen Theologen umstritten. Adam gilt Muslimen als erster Mensch und wichtiger Prophet. Der Teufel verführte Adam und Eva, von einem verbotenen Baum zu probieren, woraufhin Gott sie aufgrund ihres Ungehorsams aus dem Paradies vertrieb.
Der Koran schildert das Paradies einem Garten gleich und schließt dabei an das Bild des Garten Eden (Gen. 2,8 ff.), das auch das Judentum und das Christentum kennen, an. Hier fließen Bäche voll Wasser, Milch, Wein und Honig (Sure 47, Vers 15). Im Paradies finden die Frommen alles, was sie begehren, unter anderem Dinge, die in der diesseitigen Welt für Muslime verboten sind. So darf man im Paradies Wein trinken und sexuellen Verkehr mit „Frauen mit großen, strahlenden Augen“(Sure 56, Vers 22-24) und „junge(n) Männer(n) (…), die wie verwahrte Perlen sind“ (Sure 52, Vers 24) haben. Die Menschen tragen im Paradies kostbare Kleider, sie schmücken sich mit Ringen aus Gold und sitzen auf wertvollen Betten (Sure 18, Vers 31).
Viel wichtiger als das angenehme Leben ist vielen Muslimen, dass es im Paradies kein Leid, sondern nur grenzenlosen Frieden gibt. Das Wort „Salam“ – „Frieden“ – erklingt überall (Sure 54, Vers 26). Den Paradiesbewohnern kommt das ewige Wohlgefallen Gottes zuteil (Sure 9, Vers 72). Vor allem die Sufis (Mystiker) haben die Hoffnung, Gott von Angesicht zu Angesicht begegnen zu dürfen. Dass es tatsächlich im Paradies dazu kommen könnte, deutet der Koran an: „An jenem Tag gibt es strahlende Gesichter, die zu ihrem Herrn schauen.“ (Sure 75, Vers 22-23). Die theologischen Schulen haben hierzu jedoch unterschiedliche Interpretationen entwickelt.

(Stand: 10. September 2014)


 
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