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Gibt es Wesen, die der Mensch nicht sehen kann?

Unsichtbare Wesen sind eher eine Frage des Glaubens als des Wissens, denn ihre Existenz lässt sich nicht beweisen. So ist ja auch Gott selbst nicht direkt sichtbar, nach Empfinden gläubiger Menschen aber auf andere Weise erfahrbar. Ähnlich verhält es sich mit Engeln, Geistern oder dem Teufel.
Wie im Judentum und Christentum stellt man sich auch im Islam Engel meist als mit Flügeln versehene Wesen in schönster Menschengestalt vor. Allerdings werden sie anders als in der christlichen Kunst selten gemalt, denn die meisten Muslime gehen von einem Bilderverbot im Islam aus.
Der Glaube an Engel zählt zu den sechs wichtigsten Grundsätzen des Islams. Sie gelten als von Gott erschaffen und sind u.a. von ihm an die Menschen gesandte Boten, zum Beispiel hat der Erzengel Gabriel (arabisch: Dschibril) Muhammad die Worte des Korans übermittelt. Muhammad soll Gabriel dabei in seiner wahren Gestalt gesehen haben, mal als richtigen Menschen, mal als Gestalt mit Flügeln. Auch andere Propheten des Islams hatten solche Begegnungen mit Engeln. Engel handeln immer im Auftrag Gottes. Der Mensch kann ihnen keine Befehle erteilen. So sollen Muslime auch nicht zu Engeln beten, sondern einzig und allein direkt zu Gott. Die Engel erfüllen für Gott noch verschiedene andere Aufgaben: Sie machen Regen auf der Erde, tragen Gottes Thron im Himmel und kümmern sich um die toten Seelen im Paradies. Auch die Idee des Schutzengels gibt es im Islam, so hat ein jeder Mensch seinen persönlichen Engel, der ihn stets begleitet und über ihn wacht.
Ähnlich wie Engel sind auch Geister (arabisch: Dschinn) von Gott erschaffen, allerdings nicht wie diese aus Licht, sondern aus Feuer. Sie wohnen unter den Menschen auf der Erde, in die höheren Sphären des Himmels kommen sie nicht. Nur in Ausnahmefällen sind Dschinn für Menschen sichtbar. Im islamischen Volksglauben gibt es gute und böse Dschinn, der Koran unterscheidet zwischen gläubigen und ungläubigen. Dschinn können sich in Tiere und Gegenstände verwandeln und sogar von Menschen Besitz ergreifen. Geistig verwirrte oder kranke Menschen gelten manchmal als von einem Dschinn befallen. Dschinn können Menschen auch in ihre Geisterwelt holen, manche kehren erst nach langer Zeit in die Menschenwelt zurück, so verschiedene volkstümliche Erzählungen. Einige Menschen tragen Amulette, zum Beispiel die Hand der Fatima, um sich gegen Dschinn zu schützen.
Der Teufel heißt im Islam Iblis und gilt als ein von Gott abgefallener Dschinn. Der Teufel weigerte sich nach Sure 7, Vers 11 bis 18, sich vor Adam, dem ersten Menschen, niederzuwerfen und sich ihm somit unterzuordnen. Gott warf ihn daraufhin aus dem Himmel und erklärte alle Menschen, die Iblis folgen sollten, als zur ewigen Hölle verdammt. Der Teufel versucht seitdem, die gläubigen Menschen in ihrem Denken und Tun von Gott abzubringen. Gewissermaßen ist er damit ein Werkzeug Gottes, denn ihr Glaube lässt sich so immer wieder prüfen. Wenn der Mensch also negative Gefühle wie Neid, Hass oder Missgunst hat, sieht er den Teufel zwar nicht persönlich vor sich, spürt ihn aber als Versuchung in sich.

(Stand: 25. August 2015)


 
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