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Können wir die Nähe des Teufels spüren?

Der Teufel heißt im Islam Iblis. Wie alle Wesen der Welt wurde er von Gott geschaffen, in diesem Fall aus rauchlosem Feuer. Anders als in manchen christlichen Glaubenstraditionen ist Iblis kein Gegenspieler Gottes und nicht annähernd ebenso mächtig. Er gilt als ein von Gott abgefallener Dschinn (arabisch: Geist). Nach Sure 7, Vers 11 bis 18, weigerte sich Iblis einst, sich vor Adam, dem ersten Menschen, niederzuwerfen und sich ihm somit unterzuordnen. Gott warf ihn daraufhin aus dem Himmel und erklärte alle Menschen, die Iblis folgen sollten, als zur ewigen Hölle verdammt. Der Teufel versucht seitdem, die gläubigen Menschen in ihrem Denken und Tun von Gott abzubringen. Er hat sein Ziel erreicht, wenn der Muslim oder die Muslimin die Religion aufgibt und fortan „ungläubig“ lebt. Gewissermaßen ist der Teufel damit ein Werkzeug Gottes, denn die Festigkeit des Glaubens der einzelnen Menschen lässt sich so immer wieder prüfen.
Wenn der Mensch negative oder unmoralische Gefühle hat, sieht er den Teufel zwar nicht persönlich vor sich, spürt ihn aber als innere Versuchung. Es gibt Hunderte Beispiele für solche Momente: Der Neid auf das schöne Auto des Nachbarn, die Wut auf die immer alles verbietenden Eltern, die frühmorgendliche Müdigkeit beim ersten Gebet, die Verlockung des Alkohols und so weiter. Der Gläubige ist in solchen Momenten dazu aufgerufen, den „großen Dschihad“ (arabisch: Anstrengung; unter dem „kleinen Dschihad“ versteht man den bewaffneten Kampf) zu kämpfen, also sich selbst sehr anzustrengen, um „den inneren Schweinehund“ auszuschalten und sich wieder gottestreu zu verhalten. Gibt er oder sie diesen vielen kleinen Sünden allzu oft nach, dann droht, so die Auffassung strenger Islamgelehrter, die ewige Bestrafung im Höllenfeuer.

(Stand: 18. Oktober 2015)


 
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