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Wie viele Menschen akzeptieren Muslime wirklich?

Die jüngste Studie zum Bild vom Islam und von Muslimen in Deutschland stammt aus dem Jahr 2015. Die Bertelsmann Stiftung hat ihre Daten vom „Religionsmonitor 2012“ und von einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid speziell zum Islam neu ausgewertet. Im Rahmen der Emnid-Umfrage vom November 2014 wurden zentrale Fragen zur Islamwahrnehmung der deutschen Bevölkerung, die bereits im „Religionsmonitor“ enthalten waren, erneut erhoben. So konnten Veränderungen im Islambild zwischen 2012 und 2014 – auch vor dem Hintergrund aktueller politischer Ereignisse – erfasst werden. Die wichtigsten Ergebnisse der „Sonderauswertung Islam 2015“ findet man unter folgendem Link: http://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/51_Religionsmonitor/Zusammenfassung_der_Sonderauswertung.pdf. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Meinung der nichtmuslimischen Deutschen zum Islam und zu Muslimen schlechter geworden ist.
Im Jahr 2012 wurde das Islambild anhand von zwei Fragen im Rahmen des „Religionsmonitors“ erfasst: „Als wie bedrohlich bzw. wie bereichernd nehmen Sie den Islam wahr?“ und es wurde nach Zustimmung zu oder Ablehnung der Aussage „Der Islam passt durchaus in die westliche Welt“ gefragt. Im November 2014 wurde zusätzlich nach dem Zustimmungsgrad zu den beiden folgenden Aussagen gefragt: „Durch die vielen Muslime fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land“ und „Muslimen sollte die Einwanderung nach Deutschland untersagt werden.“ Die Fragen waren also eher negativ gestellt worden, so dass es sich leichter in Prozentzahlen ausdrücken lässt, wie viele Menschen den Islam und die Muslime nicht akzeptieren als umgekehrt.
Während im Jahr 2012 bereits 53 Prozent der nichtmuslimischen Mehrheitsbevölkerung der Meinung war, der Islam sei „sehr“ oder „eher“ bedrohlich, sind es heute 57 Prozent, die so denken. In Westdeutschland beträgt der Anteil, der den Islam bedrohlich findet, 55 Prozent – in Ostdeutschland 66 Prozent. In Sachsen ist dieser Anteil mit 78 Prozent am höchsten und in Nordrhein Westfalen mit 46 Prozent am niedrigsten.
Noch deutlicher zugenommen hat die Ansicht, der Islam passe nicht in die westliche Welt – von 52 Prozent auf 61 Prozent.
40 Prozent der nichtmuslimischen Deutschen fühlen sich durch die „vielen Muslime“ wie Fremde im eigenen Land. Ost- und Westdeutschland unterscheiden sich bei dieser Frage nicht.
Der Aussage, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden, stimmen bundesweit 24 Prozent „voll und ganz“ oder „eher“ zu. In Westdeutschland beträgt dieser Anteil 22 Prozent und in Ostdeutschland 29 Prozent.
Ein Überfremdungsgefühl und eine Ablehnung des Islams sind vor allem dort verbreitet, wo kaum Muslime leben und die Bevölkerung somit so gut wie nie mit Muslimen in Berührung kommt. Das trifft beispielsweise auf viele ostdeutsche Regionen – insbesondere Sachsen – zu. In Nordrhein Westfalen, wo ein Drittel aller Muslime in Deutschland zuhause ist, wird der Islam hingegen als weniger bedrohlich empfunden. Wenn Muslime im eigenen Wohnumfeld leben und erfahren wird, dass keine reale Gefahr von ihnen ausgeht, fällt das Bedrohungsempfinden also geringer aus. Die Ablehnung des Islams als Religion an sich bleibt jedoch bestehen.
Die Studie hat sehr genau den persönlichen Hintergrund der Befragten mit in die Auswertung einbezogen. Dabei zeigte sich, dass weder die politische Orientierung, noch das Bildungsniveau, noch die finanzielle Situation einen nennenswerten Einfluss auf das Islambild haben.
Zwar zeigt sich, dass nichtmuslimische Deutsche, die sich dem politischen Mitte-links-Milieu zuordnen, ein etwas positiveres Islambild haben – der Unterschied ist jedoch gering. Auch der üblicherweise bei Fremdenfeindlichkeit dämpfende Einfluss der Bildung fällt im Bereich der Islamfeindlichkeit deutlich geringer aus. Lediglich bei Hochschulabsolventen ist die Muslimfeindlichkeit im Verhältnis etwas geringer.
Deutlich positiver ist das Islambild lediglich unter Jüngeren im Alter von 16 bis 25 Jahren. Bei dieser Altersgruppe ist sowohl das Bedrohungsempfinden deutlich niedriger ausgeprägt als auch die Ansicht, dass der Islam nicht in die westliche Welt passe. Vermutlich sind Jugendliche und junge Erwachsene Muslimen aufgeschlossener gegenüber, weil sie sie oft tagtäglich in der Schule, im Beruf und in der Freizeit erleben.
Neben dem Alter prägen offenbar noch zwei weitere Faktoren das Islambild von Nichtmuslimen: Befragte, die religiösen Menschen im Allgemeinen misstrauen, sind auch dem Islam gegenüber negativer eingestellt. Bei solchen, die religiösen Menschen grundsätzlich aufgeschlossen begegnen, überwiegt hingegen der Anteil, der den Islam als bereichernd empfindet. Von noch größerer Bedeutung ist jedoch die Frage nach der individuellen Zufriedenheit mit dem eigenen Leben: Die Bertelsmann Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass je unzufriedener ein Mensch ist, desto feindlicher ist er Muslimen gegenüber eingestellt.

(Stand: 9. November 2015)


 
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