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Warum gibt es Krieg?

Dem Menschen wohnen von Natur aus Aggressionen inne, die zu einem Ausbruch von Gewalt gegen andere führen können. Durch Erziehung und Integration in eine Gemeinschaft sollte er die Kontrolle über negative Gefühle lernen. Die Geschichtsforschung hat aufgezeigt, dass Kriege zwischen Menschen zunahmen, als diese sesshaft wurden und einen gewissen Wohlstand erreichten, den sie zu vermehren suchten und vor Feinden schützen mussten. Je mehr Menschen es gab und je deutlicher sich die Besitztümer voneinander unterschieden, desto häufiger wurden bewaffnete Konflikte.
Kriege haben ökonomische, politische, ideologische, religiöse und kulturelle Gründe. Meist gibt es in Konflikten mehrere Faktoren, die sich gegenseitig bedingen und ineinander übergehen. Zum Beispiel kann es gleichzeitig um neue Grenzen oder nationale Unabhängigkeit und die Eroberung wichtiger Ressourcen wie Wasser und Öl gehen, im tieferen Kern aber auch um eine andere Weltanschauung oder das Aufbegehren einer sich diskriminiert fühlenden Gruppe. Aus diesen Gemengelagen entstehen Kriege zwischen zwei oder mehreren Staaten als auch Bürgerkriege innerhalb eines Landes.
Während die Zivilbevölkerung meist den Tod und die Zerstörung durch Kriege fürchtet und gerade nach besonders grausamen Ereignissen „Nie wieder Krieg“ (Ende des Ersten Weltkrieges 1918) fordert, hat die internationale Politik längst den Krieg als Teil des Menschseins und als „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ (nach dem preußischen Militärtheoretiker Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz, 1780-1831) akzeptiert – so wurde er nie verboten, sondern allein seine Regeln diskutiert und festgeschrieben. Die Haager Landkriegsordnung (1907), die Genfer Konventionen (1929) und die Charta der Vereinten Nationen (1945) verbieten die Anwendung von oder Drohung mit Gewalt in internationalen Beziehungen. Ein Krieg zwischen zwei oder mehreren Staaten ist völkerrechtlich nur erlaubt, wenn er vom UN-Sicherheitsrat oder von der NATO als Sanktionsmaßnahme oder als Akt der Selbstverteidigung beschlossen wird. Jede andere Art von Krieg gilt als illegitimer Angriffskrieg und damit als Verbrechen. Hielten sich alle Staaten an diese Vereinbarung, dürfte es keine Kriege mehr geben, denn wo kein Angriff stattfindet, ist auch keine Verteidigung nötig. Leider übersteigen Machtstreben, Ideologie und Gier meist die Moral und die Vernunft.

(Stand: 16. November 2015)


 
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