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Gehen Muslime aus Deutschland zum IS?

Wer eine Terrororganisation wie den sogenannten „Islamischen Staat“ (auch IS genannt) unterstützen möchte, tut dies in der Regel geheim. Denn die Unterstützung einer Terrororganisation sowie die Mitgliedschaft in ihr ist in Deutschland eine Straftat. Beides kann mit einem mehrjährigen Gefängnisaufenthalt bestraft werden.

Obwohl immer mehr Personen diesbezüglich zurzeit vor Gericht stehen, wissen wir von vielen Personen, die zum IS reisen, nichts. Es gibt aber eine Behörde in Deutschland, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigt und Ausreisen zu verhindern versucht: das „Bundesamt für Verfassungsschutz“. Es veröffentlicht regelmäßig die Anzahl der ihm bekannten Islamisten, die nach Syrien oder in den Irak gereist sind – also in die Gebiete, in denen der IS stark ist.

Zurzeit weiß der Verfassungsschutz von knapp 900 Personen, die in den vergangenen Jahren Richtung Syrien und Irak gereist sind. Dort wollten sie entweder für den IS beziehungsweise andere terroristische Gruppierungen kämpfen oder aber diese Organisationen auf andere Weise unterstützen.

Wer sind diese Menschen? Die meisten sind männliche Muslime mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren wurden. Es sind aber auch Personen ohne Migrationshintergrund darunter, die zum Islam übergetreten sind – sogenannte Konvertiten. Auch Frauen und sogar Minderjährige sind bereits in die Region gereist.

Nicht wenige von ihnen sind in Syrien oder dem Irak, wo blutige Krieg herrschen, getötet worden. Der Verfassungsschutz weiß von 140 Personen, die dort ihr Leben verloren haben. Einige Hundert sind aber auch lebend nach Deutschland zurückgekehrt. Sie gelten nun als eine Bedrohung für den Frieden, da befürchtet wird, dass sie in Deutschland oder anderen Ländern Terroranschläge verüben könnten.

Wer beobachtet, dass sich Freunde oder Bekannte radikalisieren oder sogar Terrororganisationen unterstützen, sollte Rat suchen. Oft sind die eigenen Eltern ein guter Ansprechpartner. Es gibt aber auch verschiedene Organisationen in Deutschland, die frühzeitig zu verhindern versuchen, dass Menschen in diese gefährliche Region reisen, um eine terroristische Organisation zu unterstützen. Zum Beispiel gibt es die »Beratungsstelle Radikalisierung«, an die sich Eltern und Bekannte wenden können. Dort gibt es auch eine Telefonnummer, die man anrufen kann. Eine weitere Beratungsstelle, die vertraulich um Rat gefragt werden kann, ist »HAYAT-Deutschland«.

(Stand: 6. Oktober 2016)


 
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