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Gibt es mehr Türken oder mehr Araber in Deutschland?

Wenn wir über die Größe bestimmter Bevölkerungsgruppen sprechen, müssen wir uns Gedanken machen, wen wir als Mitglied dieser Gruppe betrachten. In diesem Fall stellt sich die Frage: Wer gilt als türkisch und wer als arabisch in Deutschland? Sind es all jene Menschen, die einen türkischen beziehungsweise einen arabischen Pass haben? Oder betrachten wir auch Personen mit deutschem Pass als Türk(inn)en und Araber(innen), die aus einer türkischen oder arabischen Familie kommen, deren Eltern oder Großeltern also einmal nach Deutschland gekommen sind. Und schließlich: Was ist mit Personen, bei denen nur der Vater oder nur die Mutter aus einem anderen Land kommt?

In Deutschland haben etwas mehr als 1,5 Millionen Menschen einen türkischen Pass. Wenn wir aber die sogenannten „Türkeistämmigen“ mitzählen, kommen wir auf etwa doppelt so viele: Fast drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln leben in Deutschland, das heißt: Ihre Eltern oder zumindest ein Elternteil ist einmal aus der Türkei nach Deutschland gekommen.

Bei den Araber(inne)n ist zu beachten, dass es sehr viele Länder gibt, in denen Arabisch gesprochen wird. In Deutschland leben viele Personen aus Palästina, dem Libanon, Syrien und dem Irak. Aber natürlich finden sich auch Menschen aus Mauretanien, dem Sudan und sogar einige wenige aus dem Oman unter den Araber(inne)n in Deutschland. Rund 750.000 Personen in Deutschland haben einen Pass aus einem arabischen Land – also etwa halb so viele wie die mit türkischem Pass.

Nun aber wird es schwierig: Wie viele Menschen in Deutschland haben einen arabischen Migrationshintergrund?

Das Bundesamt für Statistik in Wiesbaden erhebt Daten zum Migrationshintergrund. Für die meisten arabischen Länder liegen Angaben vor. Allerdings gibt es für einige Länder, die sich als arabisch bezeichnen lassen, keine Daten – etwa für Mauretanien, Sudan oder Somalia. Diese drei Länder werden zum Beispiel in einer Gruppe namens „Sonstiges Afrika“ mit vielen anderen Ländern, die nicht arabisch sind, zusammengefasst. Eine Gruppe „Arabische Staaten“ gibt es nicht. Wenn man nun die vorhandenen Angaben zu arabischen Ländern zusammenrechnet, kommt man auf 800.000 Menschen in Deutschland, die einen arabischen Migrationshintergrund haben. Insgesamt müssen es aber noch etwas mehr sein, schätzungsweise rund 900.000.

Schließlich ist noch etwas beachten: In jüngster Zeit sind viele Geflüchtete aus arabischen Ländern, nach Deutschland gekommen. Besonders die Anzahl der Menschen aus Syrien, wo seit 2011 Krieg herrscht, ist angewachsen. Viele der geflüchteten Menschen sind in den Zahlen, die in diesem Text genannt wurden, noch nicht berücksichtigt. Anders als die Anzahl der Türken steigt also die Zahl der Araber in Deutschland.

Das ist alles ziemlich kompliziert. Wer es sich leicht machen will, kann sich einfach Folgendes merken: Zurzeit gibt es – ganz grob gesagt! – ungefähr doppelt bis dreimal so viele Türk(inn)en in Deutschland wie Araber(innen).

(Stand: 1. November 2016)


 
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