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Was ist ein Jude?

Juden und Jüdinnen sind Menschen, die – wie auch Christen und Muslime – an nur einen Gott glauben. Das Judentum ist die älteste der drei monotheistischen Religionen. Mit der Entstehung des Judentums vor über 3000 Jahren glaubten Menschen erstmals nicht mehr an eine Vielzahl von Gottheiten, sondern nur an einen einzigen Gott, was für die damalige Zeit revolutionär war.

Das Judentum ist der Ausgangspunkt für Christentum und Islam. Die beiden Religionen sind später entstanden und haben viele Gemeinsamkeiten mit dem Judentum. Die Anhänger der drei Religionen teilen beispielsweise den Glauben an viele (aber nicht alle) Propheten (z.B. Abraham und Moses). Auch die Glaubenspraxis unterscheidet sich, zum Beispiel hinsichtlich der Speisevorschriften oder der Gebete.

Heute gibt es ungefähr 14 Millionen Menschen jüdischen Glaubens auf der Welt. Damit ist das Judentum sehr viel kleiner als das Christentum (rund 2,2 Milliarden Gläubige) und der Islam (rund 1,6 Milliarden Gläubige).

Die Frage, wer ein Jude oder eine Jüdin ist, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Unumstritten ist, dass als Jude gilt, wer von einer jüdischen Mutter geboren wird. Das besagt die „Halacha“, das jüdische Religionsgesetz. Das Gesetz sagt allerdings auch, dass man unter bestimmten Bedingungen zum Judentum übertreten kann. Dieser Prozess nennt sich „Gijur“.

Die Voraussetzungen für den Übertritt zum Judentum sind oft sehr streng. Wer Jude oder Jüdin werden will, muss jahrelang über die Religion lernen und zumindest etwas Hebräisch können. Er oder sie muss die jüdischen Speisegesetze beachten und sich in vielerlei Hinsicht an bestimmte Regeln halten.

Am Ende prüft ein religiöses Gericht, ob er oder sie zum Judentum übertreten kann. Entscheiden die Richter positiv, wird die Person in der „Mikwe“, dem rituellen Tauchbad, untergetaucht (ähnlich der christlichen Taufe). Männer werden zudem beschnitten, sollten sie es noch nicht sein. Viele Konvertiten und Konvertitinnen nehmen auch jüdische Namen an.

Wenn der oder die Übergetretene allerdings von einem liberalen – das heißt weniger strengen – Rabbinatsgericht anerkannt wurde, kann es vorkommen, dass orthodoxe – also strenggläubige – Rabbiner die Konversion nicht anerkennen. In einigen Gemeinden kommt es auch zu Konflikten zwischen Konvertit(inn)en und geborenen Juden und Jüdinnen.

Juden und Jüdinnen verstehen sich als eine Gemeinschaft, die nicht missioniert, also nicht für den Übertritt zum Judentum wirbt. Im Gegenteil: Die meisten Rabbiner raten davon ab und machen den Weg zum Judentum für die Anwärter und Anwärterinnen sehr schwer. Einige wenige Gemeinden lehnen die Konversion zum Judentum auch heute noch rigoros ab. Dies unterscheidet das Judentum vom Christentum und dem Islam, deren Anhänger teilweise sehr aktiv versuchen, andere Menschen von ihrem Glauben zu überzeugen.

(Stand: 25. Mai 2017)


 
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