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Wie ist der prozentuale Anteil muslimischer Schülerinnen und Schüler in den unterschiedlichen Schulformen?

Es gibt keine deutschlandweite Statistik, die flächendeckend und kontinuierlich den Anteil muslimischer Schülerinnen und Schülern in den verschiedenen Schulformen erfasst. Zugänglich sind nur wenige Zahlen einiger Statistischer Landesämter zu ausgewählten Jahren, zum Beispiel die des Landesamts für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen für die Jahre 2011 bis 2013, die aufgrund der Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an Schulen erhoben wurden. Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland in Deutschland und weist einen hohen Anteil von Musliminnen und Muslimen auf; die Zahlen können also als repräsentativ gelten.

Dieser Statistik zufolge ist die Zahl muslimischer Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen seit den 1990er Jahren stark gestiegen, im Jahr 2013 auf 274.000 Kinder und Jugendliche. Im Schuljahr 2011/12 waren rund 13 Prozent der gesamten Schülerschaft muslimisch, d.h. jeder achte Schüler bzw. jede achte Schülerin. Diese im Vergleich zum Anteil von Muslimen an der Gesamtbevölkerung (ca. 5,5 Prozent) hohe Zahl erklärt sich aus der Tatsache, dass die in Deutschland lebenden Muslime eher jüngeren Alters sind.

Im Vergleich zu katholischen, evangelischen oder konfessionslosen Schülerinnen und Schülern besuchten 2011/12 deutlich weniger Muslime das Gymnasium und deutlich überdurchschnittlich viele Muslime die Hauptschule. In Zahlen bedeutete das: Nur 5,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Gymnasien waren Muslime, dagegen machten Muslime 22 Prozent aller Hauptschüler aus. Das statistische Landesamt machte damals allerdings einen positiven Trend aus: Die Zahl von Muslimen an Gymnasien stieg kontinuierlich an.

Viele Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass der Bildungserfolg von Kindern in Deutschland stark von ihrer sozialen Herkunft abhängt. Arbeiterkinder und Kinder mit Migrationshintergrund sind besonders benachteiligt. Sehr deutlich sind die Zahlen bei Jugendlichen ohne deutsche Staatsangehörigkeit: Verglichen mit Jugendlichen mit deutscher Staatsbürgerschaft schaffen sie weniger als halb so oft das Abitur, doppelt so viele verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss.

Diese Zahlen sagen nichts über die Intelligenz oder den Lerneifer von Kindern mit Migrationshintergrund aus. Wissenschaftler der Universitäten von Konstanz und Göttingen zeigten 2017 in der Studie „Religiosität und Bildungserfolg“, dass vor allem Dinge für den Bildungserfolg eines Menschen entscheidend sind: die finanzielle, wohnliche und berufliche Situation des Elternhauses, die sprachliche Ausdrucksfähigkeit sowie das Vermögen an Aufmerksamkeit, Kreativität, Erinnerung, Planung und Auffassungsgabe. Hier haben Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund deutliche Nachteile. Denn: Familien mit Migrationsgeschichte sind im Vergleich zu herkunftsdeutschen Familien finanziell ärmer, eine individuelle Förderung in der Schule zum Beispiel in Form von Nachhilfe kann schlicht nicht bezahlt werden. Wenn Eltern wenig oder gar kein Deutsch sprechen, können sie ihren Kindern nicht bei den Hausaufgaben helfen. Und schließlich motivieren Eltern, die selbst kein Abitur gemacht haben, ihre Kinder weniger für ein Studium, sondern empfehlen ihnen lieber eine Ausbildung, für die auch ein niedrigerer Bildungsabschluss ausreicht.

Die Wissenschaftler machten in ihrer Studie auch deutlich, dass wenn all diese Negativfaktoren nicht gegeben sind, d.h. Sozial- und Bildungsstatus der Elternhäuser gleich sowie Sprachvermögen und Lerntempo ähnlich sind, muslimische Jugendliche dieselben schulischen Erfolge haben wie Nichtmuslime oder Herkunftsdeutsche.

(Stand: 14. November 2018)


 
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