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Fühlen Muslime sich hier willkommen?

Fast die Hälfte der in Deutschland lebenden Musliminnen und Muslime ist hier geboren. Seit vielen Jahren wird immer wieder darüber diskutiert, ob der Islam bzw. die Muslime zu Deutschland gehören. Diese Debatte gewann noch einmal deutlich an Schärfe, als vor einigen Jahren rund 1,2 Million Menschen muslimischen Glaubens aus vorwiegend arabischen und afrikanischen Staaten als Geflüchtete nach Deutschland kamen. Insofern ist die Frage, ob sich Musliminnen und Muslime hier willkommen fühlen, sehr berechtig. Eine eindeutige Antwort kann man darauf nicht geben. Es gibt auf der einen Seite Umfrageergebnisse, die darauf hindeuten, dass sich viele Muslime hier wohlfühlen, auf der anderen Seite zeigen andere Ergebnisse, dass sie auch häufig unter Diskriminierung zu leiden haben.

Die Bertelsmann Stiftung fand 2017 in der Studie „Muslime in Europa – Integriert, aber nicht akzeptiert?“ heraus, dass Musliminnen und Muslime in Deutschland gut integriert sind. 96 Prozent aller in Deutschland lebenden Muslime fühlen sich demnach Deutschland verbunden. 78 Prozent haben einen häufigen Kontakt zu Menschen anderer Religionszugehörigkeit. Mehr als die Hälfte aller Muslime engagieren sich in deutschen Vereinen.

Andererseits zeigte die Studie auch, dass 37 Prozent der befragten Musliminnen und Muslime im Laufe des Jahres vor der Befragung Diskriminierungserfahrungen in Deutschland gemacht haben. Bei zugewanderten Muslimen hat sogar jeder zweite das Gefühl, aufgrund seiner Herkunft aus der deutschen Gesellschaft ausgeschlossen zu sein.

Diese Gefühle resultieren unter anderem aus einer zunehmenden Muslimfeindlichkeit seitens der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Die aktuellsten Zahlen dazu liefert die Leipziger Autoritarismus-Studie 2018. Danach stimmten 44,1 Prozent der Befragten der Forderung zu, Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland zu untersagen. In den ostdeutschen Bundesländern liegt dieser Wert mit 50,7 Prozent deutlich höher als in den westdeutschen (42,2 Prozent). Die Aussage, man fühle sich wegen der vielen Muslime „wie ein Fremder im eigenen Land“, bewerteten sogar 55,8 Prozent der Deutschen als zutreffend. Bei beiden Aussagen ist der Anteil der Befragten mit antimuslimischem Ressentiment seit 2014 um etwa zehn Prozentpunkte gewachsen.

Ob sich Muslime hier willkommen fühlen, hängt sicher auch immer vom Einzelfall ab: je nachdem wie sie von den Menschen in ihrem Umfeld behandelt werden und welche Möglichkeiten sie haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

(Stand: 4. Dezember 2018)


 
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