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Hatten Adam und Eva Kinder?

Adam und Eva gelten im Judentum, im Christentum und im Islam als die ersten Menschen auf der Erde. Von ihnen stammt die ganze Menschheit ab. Die ursprüngliche Geschichte findet sich im biblischen Buch Genesis, Kapitel 2 bis 5; auch der Koran berichtet an mehreren Stellen von Adam (ohne Nennung von Eva bzw. Hawwa im Arabischen).

Nach der Bibel schuf Gott Adam aus Erde und Eva aus einer seiner Rippen, der christlichen Theologie zufolge sind beide „Gottes Ebenbild“; im Koran heißt es, Mann und Frauen seien gleichwertig aus einer Seele erschaffen.

Adam und Eva lebten zunächst im Garten Eden. Nach biblischer Erzählung verführte eine Schlange Eva dazu, trotz Gottes ausdrücklichen Verbots vom sogenannten Baum der Erkenntnis zu essen. Das Christentum bezeichnet dies als den Sündenfall, d.h. einen Abfall von Gott, der fortan alle Menschen in Form einer Erbsünde belastet. Adam und Eva erkennen plötzlich, dass sie nackt sind und verstecken sich vor Gott, der sie daraufhin aus dem Paradies vertreibt. Von nun an leben die beiden ein schweres und zeitlich begrenztes Leben: Eva muss unter Schmerzen Kinder gebären und Adam verrichtet harte Arbeit auf dem Feld.

Nach koranischem Text tragen Adam und seine Frau gleichermaßen Schuld an ihrer Vertreibung aus dem Paradies, die Folge der Verführung durch den Teufel ist. Anders als im Christentum verzeiht Gott ihnen. Die Menschen sind demnach nicht mit einer Erbsünde belegt, sondern bei Geburt sündenfrei (Sure 2,35-37; 20,115-122 und 7,11-27).

Die Bibel berichtet, dass Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies mit Eva die drei Söhne Kain, Abel und Set sowie weitere namentlich nicht bekannte Kinder bekam. Kain war Ackerbauer und Abel lebte als Hirte. Nach dem Buch Genesis 4,1-16 erschlug Kain seinen jüngeren Bruder Abel aus Neid, denn er fühlte sich benachteiligt, da Gott seine Opfergaben nicht annahm, die seines jüngeren Bruders jedoch schon. Kain war somit der erste Mörder in der Menschheitsgeschichte. Er wurde für seine Tat von Gott verstoßen, d.h. Gott entzog ihm seine Liebe, und doch stand er weiterhin unter göttlichem Schutz, wofür das sogenannte Kainsmal das Zeichen war.

Kain zog mit seiner Frau in das Land Nod und bekam einen Sohn, Henoch. Der biblische Bericht endet mit der Darstellung des Stammbaums Kains. Da während der Sintflut alle Menschen bis auf Noah, der ein Nachkomme von Kain war, und dessen Familie getötet wurden, stammen die Menschen heute von Kains Linie ab.

Der Koran erzählt die Geschichte von Kain und Abel (arab.: Qabil wa Habil), ohne dabei ihre Namen zu nennen, in Sure 5,27-31 etwas anders. So wird hier ein längerer Dialog zwischen Kain und Abel vorgestellt, nach dem Abel um den tödlichen Neid seines Bruders wusste, aber im Vertrauen auf Gott sich nicht zur Wehr setzte. Nach dem Mord schickte Gott Kain als Zeichen einen Raben, der daraufhin seine Schuld erkannte und seine Tat bereute.

Der islamischen Tradition zufolge soll der Brudermord in einer Berggrotte nordwestlich von Damaskus (Syrien) passiert sein. Hier befindet sich heute eine kleine Moschee. Abels nahgelegenes Grab in Maqam al-Arba`in auf dem Dschabal Qasijun im Drusengebirge ist eine Pilgerstätte.

Die islamische Erzählung berichtet, dass Eva noch viele Kindern geboren haben soll. Dabei werden sehr unterschiedliche Zahlen genannt. Ein Bericht spricht beispielsweise von zwanzig Zwillingsgeburten, jeweils einem Jungen und einem Mädchen. Die Söhne und Töchter wurden miteinander verheiratet und gebaren weitere Kinder. Adam soll erst gestorben sein, nachdem er 40.000 Kinder und Kindeskinder gesehen hatte.

(Stand: 20. Januar 2019)


 
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