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Wie kann man sich gegen Intoleranz, Diskriminierung und Gewalt wehren?

Wer Opfer von körperlicher Verletzung wird, geht am besten zur Polizei, erstattet eine Anzeige und klagt eine Wiedergutmachung vor Gericht ein, sofern der Täter ermittelt werden konnte. Psychische Gewalt ist leider sehr viel schwieriger zu belegen und strafrechtlich zu fassen. Nur in wenigen Fällen schaffen es die Opfer, sich juristisch gegen Beleidigungen, Mobbing oder sexuelle Belästigung zu wehren.
Kommt ein Fall vor Gericht, ist es eigentlich schon zu spät. Gegen Intoleranz und Gewalt muss schon viel früher etwas getan werden. Die besten Mittel sind ein intaktes Elternhaus, eine friedliche Umwelt und Bildung. Toleranz und Mitgefühl muss man lernen – am besten schon im Kindesalter. Studien zeigen, dass Kinder, die Gewalt erfahren haben, auch als Erwachsene häufig zu Gewalt greifen, um Konflikte zu lösen. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sieht es das deutsche Bildungssystem als grundlegende Aufgabe, neben der Vermittlung von Wissen Kinder und Jugendliche zu demokratischen Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen. Aus jeder Auseinandersetzung auf dem Schulhof oder im Klassenzimmer kann man für sein späteres Leben lernen. Im Unterricht wird darauf geachtet, dass beispielsweise bei der Lehre des Nationalsozialismus nicht allein Fakten vermittelt werden, sondern auch Mitgefühl für die Opfer entsteht, Zusammenhänge und Ursachen für Rassismus und Antisemitismus erkannt werden und Handlungsstrategien gefasst werden, wie wir Krieg, Gewalt und Intoleranz in unserer Gesellschaft verhindern können.
Auch außerschulische Bildungsträger wie die Landeszentralen für politische Bildung haben Trainings zur friedlichen Konfliktlösung entwickelt, die an Projekttagen geübt werden. Wenn sich eine Schule ganz besonders gegen Diskriminierung und Gewalt engagiert, wird ihr der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verliehen. Über 1270 Schulen mit rund einer Million Schülerinnen und Schülern sind bereits in dem Netzwerk. Bedingung für den Titel ist, dass mindestens 70 Prozent aller Menschen an einer Schule sich mit ihrer Unterschrift verpflichten, mutig gegen Rassismus im Alltag einzutreten und regelmäßige Projekte durchzuführen.
Jeder muss in seinem eigenen Umfeld darauf achten, dass alle gut behandelt werden. Wer Streit und Gemeinheiten in der Schule oder am Arbeitsplatz beobachtet, tut gut daran, die betroffenen Personen auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen und zu vermitteln, vielleicht sogar den Fall zu veröffentlichen und sich Unterstützung zu suchen. Es gibt in jeder Stadt Beratungsstellen, an die man sich wenden kann, wenn man ein konkretes Problem hat. Dort arbeiten erfahrene und freundliche Sozialarbeiter, Psychotherapeuten und Juristen, die gerne helfen.

(Stand: 5. August 2013)


 
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