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Kann man als Muslim wie in der katholischen Kirche seine Sünden beichten und diese dann von Gott vergeben bekommen?

Juden, Christen und Muslime glauben, dass die Verführung Adam und Evas im Paradies die erste Sünde der Menschheitsgeschichte war. Ihre Geschichte steht in der Bibel (Gen. 3) und im Koran (Sure 7, Vers 19-22). Demnach überredete eine „listige Schlange“ – nach dem koranischen Text handelt es sich hier um den Teufel – die Frau (Bibel) bzw. die beiden (Koran), die „verbotene Frucht“ vom „Baum der Erkenntnis“ zu essen. Danach begriffen Adam und Eva, dass sie nackt waren und schämten sich. Als Gott sie so sah, vertrieb er sie aus dem Paradies.
Christen sehen in dieser Geschichte den Ursprung der so genannten Erbsünde und entwickelten ein sehr negatives Bild des Menschen, dem von Grund auf Schlechtes innewohnt. Nach islamischem Verständnis verzieh Gott Adam und Eva jedoch und lässt seither jeden Menschen erst einmal schuldlos ins Leben starten.
Die christlichen Konfessionen haben die Erbsünde leicht verschieden interpretiert: Nach dem evangelischen Glauben ist seit Adam und Eva jeder Mensch von Geburt an sündig und nur durch die Gnade Gottes zu erretten. Katholiken betrachten den Menschen als zur Sünde geneigt, durch den festen Glauben und die göttliche Gnade kann diese jedoch vermieden, wenn auch nie ganz ausgeschlossen werden.
Jesus von Nazareth gilt Christen als der einzige Mensch, der unschuldig zur Welt kam und niemals sündigte. Er nahm mit dem Tod am Kreuz die Sünden der ganzen Menschheit auf sich. Seitdem trägt ein jeder getaufter Christ nur noch eine kleine Restschuld in sich. Dadurch, dass der Mensch die göttlichen Gebote kennt, ist er sich seines sündhaften Verhaltens auch bewusst. Darin, dass er die Sünden dennoch begeht, liegt seine Schuld.
An mehreren Stellen des Neuen Testaments gibt es Auflistungen von Sünden, z. B. Gotteslästerung, Ehebruch, Prahlerei oder Gier. So genannte Todsünden (Ehebruch, Mord und Abfall vom Glauben) verhindern nach christlicher Theologie die Erlösung und führen zur ewigen Trennung von Gott und der Verdammnis in der Hölle. Kleinere Sünden erfordern eine Reinigung im Fegefeuer. Ist Gott dann gnädig und vergibt, folgt ein Leben im Paradies.
Um der göttlichen Strafe zu entkommen, behält die christliche Lehre bereits im diesseitigen Leben einen Ausweg für den Sünder bereit, nämlich durch Reue und Buße. Im Katholizismus bekennt der Gläubige im Beichtstuhl gegenüber dem Priester seine Sünden. Der Priester kann dem Sünder Bußhandlungen auferlegen und ihm die Sünden vergeben. In der evangelischen Kirche existiert ein solches Beichtsakrament nicht. Hier sprechen der Pfarrer oder die Gemeindemitglieder beim Abendmahl oder Glaubensbekenntnis sich gegenseitig die Sündenvergebung zu.
Das islamische Sündenverständnis unterscheidet sich in einigen Punkten sehr deutlich von dem christlichen. Der Islam lehnt die Vorstellung von einer seit Adam und Eva vererbten Sünde auf alle Menschen ab, denn diese widerspricht der großen Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Anders als im Christentum kommt der Mensch rein und unschuldig auf die Welt und wird es bleiben, solange er Gott gegenüber gehorsam ist und seine Gebote befolgt – sei es in der Tat wie in Gedanken. Der Mensch ist folglich für sein Verhalten ganz allein verantwortlich und hat das Schicksal in der eigenen Hand. Allerdings betrachtet die islamische Theologie den Menschen in ständiger Versuchung, Sünden zu begehen; außer Muhammad und einigen Propheten vor ihm ist niemand frei von Sünde.
Der Islam unterscheidet zwischen kleineren Verfehlungen, schweren Sünden und der Todsünde „Unglaube“. In die ersten beiden Kategorien fallen beispielsweise Mord, Vernachlässigung der religiösen Pflichten, Ehebruch, Diebstahl oder Lügen. Wenn der Gläubige seine Verfehlungen und schweren Sünden jedoch ernsthaft bereut, Buße tut und um Vergebung fleht – und sei es kurz vor seinem Tod –, darf er auf die Gnade Gottes und Vergebung hoffen (z. B. Sure 3, Vers 135–136). Allein der Unglaube schließt den Eingang in das Paradies aus (z. B. Sure 4, Vers 137).

(Stand: 2. Februar 2014)


 
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