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Ist es muslimischen Mädchen erlaubt, Fußball zu spielen?

An der Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Kanada 2015 nahmen mit Nigeria, Kamerun und der Elfenbeinküste auch drei afrikanische Länder teil, deren Bevölkerung einen hohen Anteil von Muslimen aufweist. Auch in anderen Mannschaften spielen vereinzelt Frauen, die dem Islam angehören.
Auf dem Platz unterscheidet sie äußerlich nichts von ihren andersgläubigen Kolleginnen, sie spielen mit derselben Leidenschaft Fußball. Und doch haben praktizierende Musliminnen beim Sport manchmal besondere Probleme. Anders als bei Olympia, wo religiöse Kopfbedeckungen erlaubt sind, solange sie niemanden gefährden, hat die FIFA, der Weltfußballverband, bei seinen Turnieren ein generelles Kopftuchverbot erlassen – auch wenn es mittlerweile Varianten gibt, mit denen es sich sehr gut Sport treiben lässt. Die Frauen bringt das mitunter in ein großes Dilemma: Was hat größere Bedeutung – die Teilnahme an einer großen Meisterschaft oder die Befolgung religiöser Gebote? Manchmal fallen internationale Spiele auch in den Fastenmonat Ramadan, zum Beispiel die Fußballweltmeisterschaft der Männer im Jahr 2014 oder auch die bereits genannte Fußballweltmeisterschaft der Frauen im Jahr 2015. Aber für diese Situation haben Islamgelehrte bereits Fatwas (arabisch: Rechtsempfehlung) erlassen: Die Sportlerinnen und Sportler sollen sich mit Rücksicht auf ihre Gesundheit während des Turniers normal ernähren und den während des Ramadan praktizierten Verzicht auf Essen und Trinken von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang im Anschluss an den Wettkampf nachholen.
In vielen arabischen Ländern gibt es heute Frauenfußballmannschaften. Die FIFA zahlt nämlich nur an diejenigen nationalen Verbände Gelder, die auch die Frauensparte fördern. Sollte sich einmal ein arabisches Land für eine Weltmeisterschaft qualifizieren, wird es spannend, ob die Regierungen eine Teilnahme trotz des Kopftuchverbots auf dem Platz erlauben. Liberale Länder wie der Libanon oder Jordanien, die beide recht gute Mannschaften haben, ganz sicherlich. Anders sieht es beispielsweise mit dem Iran aus.
Im Iran spielen zwar über 30.000 Frauen Fußball, es gibt eine Art Bundesliga und auch eine Nationalmannschaft, die an internationalen Turnieren teilnimmt. Aber die Frauen müssen beim Spiel lange Trikots und einen Hidschab (arabisch: Schleier, Kopftuch) tragen, sie dürfen nicht von Männern trainiert werden und im Stadion sind nur Zuschauerinnen (!) erlaubt. 2006 fand das erste Fußballspiel der iranischen Nationalmannschaft in Teheran statt, sie spielte gegen das Frauenteam des Berliner Vereins BSV AL Dersimspor 2:2 unentschieden. Ein Rückspiel in Deutschland sagte der Iran dann aber ab. Das ist keine Seltenheit, in der Vergangenheit hat der iranische Staat seiner Frauenfußballmannschaft schon häufiger die Teilnahme an Turnieren verboten, wenn diese nicht nach ihren Bedingungen stattfanden.

(Stand: 1. Juli 2015)


 
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