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Dient Religion nicht einfach nur zur Erklärung einer komplexen Welt?

Was genau ist eigentlich Religion? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Je nach dem, wen man fragt – (nicht-)gläubige Philosophen, Religionswissenschaftler, Psychologen, Naturwissenschaftler, Theologen und so weiter – erhält man ganz unterschiedliche Erklärungen.
Kurzgesagt handelt es sich bei Religion um eine Weltanschauung, die von übernatürlichen und nicht beweisbaren Kräften in der Welt ausgeht. Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat sich eine Vielzahl von Religionen entwickelt. Archäologische Funde belegen, dass die Menschen bereits Tausende Jahre vor unserer Zeitrechnung Götter anbeteten, Sterne, Bäume oder Steine verehrten oder an Geister glaubten, Vorstellungen über die Entstehung der Welt und das Leben nach dem Tod entwickelten sowie eine religiöse Praxis und Ethik schufen. Religion ist also ein zeitloses Phänomen menschlichen Seins, es gab sie immer und es wird sie wohl auch immer geben.
Wissenschaftler sehen in Religion den menschlichen Versuch, die Welt und alles, was für uns daran unbegreiflich ist, zu erklären. So wurden zum Beispiel im antiken Griechenland Naturkatastrophen, Missernten oder verlorene Kriege als Strafe der Götter verstanden. Im deutschen Mittelalter wurden viele noch unbekannte Krankheiten wie zum Beispiel Epilepsie als Besessenheit von Dämonen gedeutet. Auch heutzutage erklären sich manche Menschen unbegreifliche Phänomene mit Hilfe von Religion. So gibt es beispielsweise Berichte von Wunderheilungen, die durch die moderne Medizin nicht erklärbar sind und für die dann Gott verantwortlich gemacht wird.
Nach Auffassung der Psychologen bietet Religion dem Menschen Halt und Schutz, weist ihm den Weg, spendet Trost und Hoffnung, bietet Sinn. Insgesamt vermag die Religion den Menschen in seiner Psyche zu stabilisieren, zum Beispiel nimmt die Aussicht auf ein Weiterleben im Jenseits dem Menschen die Angst vor dem Tod. Auch auf die grundlegenden Fragen des Lebens, die wir uns stellen, bietet Religion Antworten: Woher kommen wir? Warum leben wir? Wohin gehen wir?
Sozialwissenschaftler verstehen Religion als Bindeglied einer Gesellschaft. Sie schafft Traditionen, Bräuche und Wertvorstellung und gibt einer Gesellschaft so eine gemeinsame Identität. Die Religion bzw. die aus ihr abgeleiteten Gesetze regeln nach dem Prinzip von Gut und Böse bzw. Erlaubtes und Verbotenes das Zusammenleben der Menschen. Auch wenn man persönlich nicht religiös ist, kann man der Religion in einer Gesellschaft kaum aus dem Weg gehen. So feiern zum Beispiel auch Nicht-Christen und sogar manche Muslime in Deutschland Weihnachten – nicht aus religiöser Überzeugung, sondern weil Weihnachten ein Teil der deutschen Kultur ist und weil das eben alle hier so machen. Damit macht Religion auf jeden Fall einen großen Teil unserer Kultur aus.
Für gläubige Menschen hat Religion keine rationale Funktion. Sie sind vielmehr der Meinung, dass Menschen anfangen, nach Gott und dem Sinn des Lebens zu suchen, gerade weil es Gott gibt und weil jeder Mensch das Bedürfnis habe, mit ihm in Gemeinschaft zu treten.

(Stand: 13. Juni 2016)


 
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