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Wie hoch ist die Gefahr, die vom Islam ausgeht?

Der Islam ist eine Religion, der weltweit etwa 1,6 Milliarden Menschen angehören. Sie alle leben ihren Glauben sehr unterschiedlich. Eine Aussage über „den Islam“ lässt sich daher nicht treffen. Auch lässt sich nicht sagen, dass von „dem Islam“ eine Gefahr ausgeht. Die überwiegende Mehrheit der Musliminnen und Muslime in Deutschland sowie weltweit lehnen es ab, dass ihre Religion mit Gewalt und Terrorismus in Verbindung gebracht wird. Für sie stellt der Islam eine Religion des Friedens dar.

Vielerorts wird der Islam aber als Gefahr wahrgenommen, weil sich extremistische Gruppierungen auf den Islam berufen, um ihre Taten zu rechtfertigen. Die Frage muss also umformuliert werden in: „Wie hoch ist die Gefahr, die von extremistischen Gruppen im Islam ausgeht?“

Seit 2014 macht vor allem die Gruppierung „Islamischer Staat“ (auch IS genannt) von sich reden. Der IS eroberte in den von Kriegen geschwächten Ländern Syrien und Irak große Territorien und baute eine Schreckensherrschaft im Namen des Islams auf. Die Gruppe schreckt vor äußerst brutalen Methoden wie Folter und öffentlichen Enthauptungen nicht zurück. Im Gegenteil: Sie setzt sie gezielt als Propaganda-Instrument ein, um weitere Unterstützer und Unterstützerinnen zu werben. Leider war der IS damit in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich.

Obwohl der IS im Irak und in Syrien militärisch auf dem Rückzug ist und zunehmend an Territorium verliert, findet seine Ideologie weiter weltweit Anhänger und Anhängerinnen, auch in Europa. In Deutschland standen verschiedene Attentäter direkt mit dem IS in Kontakt oder hatten nachweislich Sympathien für die Gruppe und ihre menschenverachtenden Ideen – so zum Beispiel der Attentäter, der im Dezember 2016 mit einem Lkw auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin fuhr und insgesamt 12 Menschen tötete.

In Deutschland ist der Inlandsgeheimdienst (Verfassungsschutz) dafür zuständig, die Gefährdungslage durch extremistische Gruppen einzuschätzen. In seinem jüngsten Bericht stellt er eine Zunahme von rechten – also fremdenfeindlichen – Gewalttaten wie auch von islamistischen Gewalttaten fest. Auch warnt die Behörde vor linken Extremisten.

Laut Verfassungsschutz ist der islamistische Terrorismus jedoch die derzeit größte Herausforderung für die Sicherheitsbehörden in Deutschland. Dabei spielen Anhänger(innen) des IS eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang heißt es in dem Bericht: „Auch zukünftig kann es jederzeit zu einem terroristischen Ereignis in Deutschland kommen“. Der Verfassungsschutz spricht vom Phänomen des „individuellen Jihads“. Damit ist gemeint, dass Einzeltäter oder kleine Gruppen einen Terroranschlag begehen, ohne dass eine Terrororganisation wie der IS dazu aktiv einen Auftrag erteilt. Dies macht es für die Sicherheitsbehörden schwierig, solche Taten zu verhindern.

Trotz der aktuellen Gefährdungslage muss aber festgehalten werden, dass in Deutschland im Vergleich zu arabischen Ländern wie Ägypten, Irak oder Syrien, aber auch zu den Nachbarländern Frankreich und Großbritannien, bislang nur wenige islamistisch motivierte Terroranschläge verübt worden sind. Der oben erwähnte Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt war der erste islamistische Terrorakt in Deutschland seit 2011, bei dem der Attentäter Menschen tötete.

Islamistische Terroranschläge in Europa erhalten sehr viel Aufmerksamkeit in der Berichterstattung der Medien. In der Bevölkerung ist oftmals eine verallgemeinernde Wut auf Muslime die Reaktion sowie und die Angst vor „dem Islam“. Damit haben die Terroristen ihr Ziel leider teilweise erreicht, denn die Extremisten teilen die Menschheit in Muslime und Nicht-Muslime ein und beschwören einen Kampf zwischen „dem Islam“ und „dem Westen“ herauf.

(Stand: 28. Juli 2017)


 
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