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Warum sehen Muslime anders aus?

Der Islam ist eine Religion. Jeder Mensch kann sich zum Islam bekennen. Daraus folgt, dass Muslime und Musliminnen überall auf der Welt leben, hunderte verschiedene Sprachen sprechen und folglich keine besonderen äußeren Merkmale haben.

In Deutschland denken viele Menschen, dass ihre Mitmenschen mit „türkischem“ oder „arabischem Aussehen“ muslimisch sind. In vielen Fällen mögen sie damit richtig liegen. Denn tatsächlich hat der Großteil der Musliminnen und Muslime in Deutschland einen arabischen oder türkischen Migrationshintergrund – das heißt, dass sie selbst beziehungsweise ein oder mehrere Familienmitglieder nach Deutschland eingewandert sind.

Aus mehreren Gründen kann man mit dem Rückschluss vom Aussehen einer Person auf ihre Religion aber sehr falsch liegen:

Erstens muss sich eine Person nicht automatisch zum Islam bekennen, nur weil er oder sie aus einer muslimischen Familie kommt. Jeder Mensch ist in seinem Glauben frei. Die Zugehörigkeit zu einer Religion kann man selbst wählen – oder auch ablehnen.

Zweitens gibt es eine nicht zu unterschätzende Zahl von nicht-muslimischen Einwanderern aus mehrheitlich muslimischen Ländern. Zum Beispiel sind viele christliche Iraker und Syrer vor dem Krieg in ihrem Heimatland nach Deutschland geflohen. Sie mögen für viele Menschen „arabisch“ und somit „muslimisch“ aussehen; sie sind es aber nicht.

Drittens kommen eingewanderte Muslime nicht nur aus arabischen Ländern oder der Türkei. Viele Musliminnen und Muslime aus dem ehemaligen Jugoslawien leben zum Beispiel in Deutschland. Weltweit findet sich die zahlenmäßig größte muslimische Bevölkerungsgruppe übrigens nicht in einem Staat des Nahen Ostens oder der Türkei, sondern in einem südostasiatischen Land: in Indonesien. Da aber nur relativ wenige indonesienstämmige Menschen in Deutschland leben, wird die Herkunft aus diesem Land selten mit der Religion Islam in Verbindung gebracht.

Viertens können sich auch Menschen, die keinerlei Migrationsgeschichte haben, zum Islam bekennen. Beispielsweise gibt es Konvertiten, die aus christlichen, jüdischen oder nicht-religiösen Familien kommen und den Islam zu einem späteren Zeitpunkt in ihrem Leben angenommen haben.

Der Schluss vom Aussehen eines Menschen auf seine religiösen Vorstellungen ist also sehr schwierig. In sehr vielen Fällen wird man falsch liegen.

(Stand: 19.12.2017)


 
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